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3. inklusive Sportfest

Aufwärmen vor dem Startschuss. (Foto: Annett Meinke)

Ob gestern beim Anblick der Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) alle Sportler so euphorisch wurden wie John-Lucas Elenz (13) sei dahingestellt. Der Schüler aus der Mosaik-Schule jedenfalls ging direkt nach der Eröffnung des Inklusiven Sportfestes auf dem Sportplatz am Tannenberg auf die Ministerin zu und erinnerte sie daran, dass sie sich bereits persönlich kannten. Gemeinsam mit Dirk Möller vom Behinderten- und Reha-Sportverein Grevesmühlen und der Landrätin Nordwestmecklenburgs hatte die Sozialministerin den Startschuss für das sportliche Treiben gegeben. Die hohe Zahl ebenfalls erschienener Stadtvertreter und Kreistagsabgeordneter machte deutlich, dass sich Grevesmühlen mit dem Thema Inklusion auf dem richtigen Kurs befindet. Das Thema scheint mehr und mehr in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. „Wo es in jedem Fall auch hingehört“, wie Maik Reschke vom Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg fand. Was sich Maik Reschke und auch die anderen Organisatoren dieses besonderen Sportfestes wünschen, wurde gestern am deutlichsten auf dem Fußballfeld. Hier spielten tatsächlich behinderte und nichtbehinderte Spieler aus den Diakonie-Werkstätten Upahl, Wismar und Bützow, vom Grevesmühlener und Gadebuscher Gymnasium und der Wasserturmschule in gemischten Mannschaften miteinander. Spaß brachte dabei auch, dass sich die einzelnen Mannschaften Ländernamen gaben, wie zum Beispiel Frankreich oder Belgien, und so quasi eine Weltmeisterschaft nachspielten. Maik Reschke hat eine klare Vision von einer Gesellschaft, die irgendwann einmal komplett ohne Ausgrenzungen auskommt. Dass der Weg bis dahin kein einfacher ist,weiß er dabei genau. Immer wieder gilt es, die Ängste und Vorurteile vieler Menschen auszuräumen. Für Lennart Andresen (16), Schüler am Tannenberg-Gymnasium, der auch beim Fußball mitspielte, ist das kein Thema: „Wir sind alle Menschen und verschieden. Wo soll da das Problem sein?“ Ein paar Probleme aber treten manchmal eben doch auf. Was beim Fußball einfach zu organisieren war, war bei den anderen Disziplinen, wie zum Beispiel Medizinballweitwurf, Staffellauf, Weitspringen nicht ganz so leicht. Dort erprobten sich meist nur die behinderten Sportler, während ihnen die Gymnasiasten und Schüler der „Schule am Ploggenseering“ eher begleitend zur Seite standen. Sie feuerten an, vermaßen und schrieben die Resultate auf. „Wir wollen“, so Maik Reschke, „in den nächsten Jahren noch mehr Gemischt-Wettbewerbe stattfinden zu lassen.“ Dafür aber, erklärte er, muss ein Bewertungssystem ausgeklügelt werden. Denn direkt kann man die Leistungen eines Menschen mit zwei gesunden Beinen zu einem körperlich behinderten Läuferzum Beispiel nicht bemessen. Doch möglich ist alles, war er sich sicher. Genausosah das auch der Ehrengast des gestrigen Sportfestes, Ramona Brussig. Die Judoka-Behindertensportlerin ist mehrfache Medaillen-Gewinnerin der Paralympics und ist gerade aus Südkorea zurückgekehrt. In Vorbereitung auf die nächsten Paralympics belegte sie auf der dortigen Judoka-Weltmeisterschaft erneut den dritten Platz. „Gerade unser Sport eignet sich hervorragend für behinderte Menschen“, erklärte und demonstrierte Brussig, gemeinsam mit ihrem Trainer Uwe Juch.

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